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Absurdistan

Ich leb in einem Land, das ist sehr grotesk und ziemlich abgefahr’n,
ich weiß nicht ob du’s kennst, ob du schon mal da warst: in Absurdistan.
Es ist nicht schwer hier rein zu geraten, zumindest nicht für Leute wie mich
und was hier abgeht, hast du es nicht erlebt, ich schwör du glaubst es nicht.

Zum Beispiel finden wir eine Schule wichtig, in die keiner gerne geht
und in der man kontinuierlich verlernt wie das Lernen geht.
Kinder, die dann nichts mehr lernen, kommen in ein Hospital,
gesund heißt hier beschulbar und die schärfsten Drogen gibt’s legal.

Absurdistan, Absurdistan, du bist ein Rätsel mir,
tote Katzen rühren uns zu tränen, doch Gesichtswurst kaufen wir.
FKK ist peinlich, Silikontitten nicht, und Fitnessstudios finden wir gesund
und die Liebe, die mein Kind nicht kriegt, kriegt dann der Schäferhund.

Was Arbeit angeht haben wir in diesem land eine sehr spezielle Kultur,
was du machst ist scheißegal, heißt es doch Arbeit nur.
Ohne Fleiß gibt es kein Preis, so ist’s uns beigebracht,
drum ist es hier ein Kann und kein Muss, daß dir dein Job Freude macht.

Freude?

Zwar gibt’s hier auch Freudenhäuser, doch Freude ist hier leider marginal,
doch statt Freude zur Bedingung zu machen, machen wir lieber Sex illegal.
Sex, das heißt hier Rein und Raus und Liebe heißt Besitz,
Emotionen sind Privatsache und Gefühle sind kitsch.

Absurdistan, Absurdistan, du bleibst ein Rätsel mir,
bei toten Katzen kommen uns die Tränen, doch Gesichtswurst kaufen wir.
FKK ist peinlich, Silikontitten geil und Fitnessstudios finden wir gesund
und die Liebe, die das Kind nicht kriegt, kriegt dann der Schäferhund.

Absurdistan, Absurdistan, du bist ein Phänomen:
Ein Land in dem die Leute glauben, man könne sich in einem Notenspíegel seh’n.

Doch eine Sache gibt’s, die mich eigentlich blamiert,
in dieses ganze Schauspiel bin auch ich involviert.
Meine Krankenkasse heißt noch immer AOK
und mein Geld hab ich bei einer Bank, die ich gar nicht mag.
Drum wand’re ich jetzt aus und gründ’ ein eigenes Land,
geführt von einer Doppelspitze aus Herz und Verstand.
Außenminister sind Humor und Empathie,
denn die sind Fachleute für Diplomatie.
In mein Land kann jeder rein, der an die Liebe glaubt
und Gesichtswurst ist verboten und Haschisch …

D.I.Y.

Letztens kam ich wieder mal von Arbeit nach Haus
und zugegeben war ich eher mittelmäßig drauf.
Das wurde dann nicht besser als ich um mich sah:
Gesichter so lebendig wie ein Bausparvertrag.
Meine Laune dann im Keller, alles schien mir so verkehrt
so beschloss ich, daß ich heute feiern gehen werd’.
Ich tanzte ausgelassen bis ich plötzlich sah,
daß ich zwischen Haufen Männern wieder die Einzige war.
Schlechtgelaunt ging ich nach Haus, verfluchte das System,
da sah ich an einer Wand etwas in großen Lettern steh’n.
Wie angewurzelt stand ich da, der Schriftzug sehr bekannt,
doch mir schien, als ob ich was da steht, zum ersten Mal verstand.

D.I.Y., ich tue es jetzt selbst,
nehm’ es selber in die Hand, kreier’ mir meine eigne Welt.
D.I.Y. kann auch heißen, frag’ dich wer du bist
und fang an, das zu tun, was du an anderen vermisst.
D.I.Y. ist doch mehr als nur ein Schrank,
eine eigene Elektrik und ‘ne selbstgebaute Bank.

Am nächsten Morgen dann, mein Kopf noch aus Beton,
setzte ich mich ans Klavier und schrieb ‘nen ärgerlichen Song.
Ich beschwerte mich melodisch über all den Trübsinn hier
und schimpfte übers schimpfen, da dämmerte es mir.
Mir fiel’n die Worte wieder ein, die ich gestern las
und in meinem kleinen Mäusehirn da änderte sich was.
Ich ging zu meinem Nachbarn, der mich täglich wütend macht
und spielte dann das Spiel, ob ich’s schaffe, daß er lacht.
Dann lud ich zehn Freundinnen ein in ein Tanzlokal,
dort tanzten wir wie’s uns gefiel und war’n in Überzahl.
Und weil’s mir an Berührung fehlt, ich muß es deklamier’n,
ließ ich mich dann bei Sinnesart ‘ne Stunde lang massier’n.

D.I.Y., ich tue es jetzt selbst,
nehm’ es selber in die Hand, kreier’ mir meine eigne Welt.
D.I.Y. kann auch heißen, frag dich wer du bist
und fang an, das zu tun, was du bei anderen vermisst.
D.I.Y. ist doch mehr als nur ein Schrank,
eine eigene Elektrik und ‘ne selbstgebaute Bank.
D.I.Y heißt ich fang an der oder die zu sein,
von denen wir mehr bräuchten, in ‘ner Welt wie wir sie woll’n.

Die Fremdenfeindlichkeit in unserm Land steht mir bis hier,
darum frühstücke ich heut mit Fatima und Bashir.
Mein Chef der mag mich nicht, obwohl er von mir gar nichts weiß,
darum frage ich ihn mal, wie seine Lieblingsplatte heißt.
Letztens war ich wirklich wütend und es fiel gar keinem auf,
darum fasste ich mir Mut und ließ den Tränen ihren Lauf.
Und so gibt’s noch viel mehr, das ärgert mich massiv,
und das ist auch sehr verständlich aber ineffektiv.
So beginne ich nun das zu tun was mir an andern fehlt
und ich geb zu, daß mich dabei oft die Einsamkeit quält,
aber da ich es ja anders will, weiß ich wie ich mir helf:
I stop waiting for the others and I do it now myself!

D.I.Y., ich tue es jetzt selbst,
nehm’ es selber in die Hand, kreier’ mir meine eig’ne Welt.
D.I.Y. kann auch heißen, frag dich wer du bist
und fang an, das zu tun, was du bei anderen vermisst.
D.I.Y. ist doch mehr als nur ein Schrank,
eine eigene Elektrik oder ‘ne selbstgebaute Bank.
D.I.Y heißt ich fang an der oder die zu sein
von denen wir mehr bräuchten in ‘ner Welt wie wir sie woll’n!

Das Monster

In meinem Haus da wohnt ein Monster, ich hab viel mit ihm zu tun
absurderweise kenn’ wir uns nicht wirklich gut.
Ich hab jeden Tag fast einmal irgendwas mit ihm zu schaffen,
doch zum Dialog fehlte mir bislang der Mut.
Ich weiß ich müsste doch nur einfach einmal sagen:
„Mensch Monster kommste mit rüber auf ein Bier.“
Doch irgendwie hab’ ich vor diesem Monster Angst,
und darum sitz ich hier und denk bei mir:

Monster, ach Monster,
Komm doch mal rüber, auf ‘n Bier mit mir
Monster, Monster, komm doch mal rüber, was ist denn daran so schwer?

So leben wir also irgendwie nebeneinander her
und bis auf eine Sache machte mir das nichts aus.
Nur immer dann wenn ich richtig guten Besuch bekomm’,
kommt das Monster rein und rastet komplett aus.
Dann wütet es und streitet und wird zynisch und spuckt Blut
und mein Besuch nimmt die Beine in die Hand.
Und ich denk: ‘Man Monster wann ist mit dieser Scheiße gut
warum bist du denn so unentspannt?’

Ach Monster, Monster
komm doch mal rüber, was ist denn daran so schwer?
Monster, Monster, lass uns doch mal reden mann so geht das nicht mehr!

Letztens kam es dann, da hatt ich sehr charmanten Besuch
und wollt auf keinen Fall, daß er gleich wieder geht.
Ich nahm all meinen Mut zusamm’ und sprach das Monster an,
hoffte inständig, daß es mich versteht.
Ich sagte: „Liebes Monster, mensch jetzt hör doch mal her,
ich bin jetzt schon ne Weile lang allein,
wenn du so’n Terror machst bei jedem, den ich gerne mag,
dann werd ich das auch weiterhin sein!“

Monster, ich tu alles was du willst
sage mir doch nur, wie kriege ich dich still
Monster, ach einmal nur, sei gut zu mir, ich gäb was du willst dafür

Liebe Leute glaubt es, oder glaubt es nicht,
was dann geschah war wirklich sonderbar.
Ich sah plötzlich, daß das Monster aussieht wie ich,
als ich noch in der Grundschule war.
Dann sagt es mit ner Stimme, die wie meine klingt:
„Ich weiß gar nicht was du von mir willst,
ich bin doch nur so garstig, weil du Angst vor mir hast,
und weil du nie mit mir spielst!“
…Es ist doch nur so garstig, weil ich Angst vor ihm hab’,
und weil ich nie mit ihm spiel…!!

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut das tat,
Rotz und Wasser heulend lagen wir uns dann im Arm.
Mein Besuch saß lächelnd mit dabei
und ich glaube, daß er diesmal länger bleibt.

Das Paradoxon

Neulich in ‘ner Sekunde
die schien wie ‘ne Stunde,
da sah ich von weitem,
das Paradoxon streiten
und ich hörte es sagen:
“Niemand kriegt mich ertragen,
keiner kriegt mich tariert
und in sich plaziert.
Das Hirn auf Rechthaben schalten,
Gefühle festgehalten,
nur Glutamat, Aspartam,
Mehl und Zucker im Darm.
Ob Angriff, ob Flucht,
Abstinenz oder Sucht,
ob depressiv oder manisch,
resigniert oder panisch,
ob nun Fluchtmanie
oder Flugphobie.
Gefühle überdosiert
oder wegmoderiert,
Kopf voll und Bauch leer
oder umgekehrt.
Das kenn’ ich alles schon”,
sagt das Paradoxon.
Mit dem Fokus auf schlecht
hat jeder Pessimist recht.
Ihr habt die Mitte verschoben,
ins entweder-oder.
Entweder Sex oder Liebe,
Gefühl oder Triebe,
euch geht’s gut oder schlecht,
er oder sie hat recht.
Mit der Verdrängung im Ranzen
macht ihr nichts halbes, nichts ganzes.
Nicht ganz anfassen.
Nicht ganz loslassen.
Sich im Wege stehn,
aber nicht in die Augen sehn.
Der Kühlschrank gefüllt,
der Durst nie gestillt.
Mutter zu Hause verflucht,
in der Beziehung gesucht.
Dem anderen Liebe geben,
aber dafür Zinsen nehmen.
Der wunsch man möge mich sehen,
aber nie aus dem Fenster lehnen.
Mich über Misstraun beschwern,
aber die Türen absperrn.
Den Tod hinter den Schrank
und vor’m leben Angst.
Die Angst aber, versteckt im Schoß,
wird dann riesengroß.
Alles bloß lassen wie’s ist!
Aber nichts mal lassen wie’s ist.
Von Lust auf Heimat getrieben,
aber nirgends geblieben.
Vom Theaterspielen müde,
aber nie auf die Bühne.
Und dann dreht es sich um
und schreit zu mir stumm:
“Lernen ist ‘ne Spirale,
der Weg das Finale,
dein Planet ist gelieh’n,
und Spaß Medizin.
Der Bogen heißt Mut,
spür’ dein Wissen im Blut.
Nimm die Absicht in den Pfeil
und begrab das scheiß Beil,
denn zwischen Kopf und Bauch
liegt sowohl als auch.

Feler

Angepriesen, abgewiesen, die falschen Preise ausgewiesen,
steh’n geblieben, fortgegangen, dich nicht richtig aufgefangen,
viel zu leise nein gesagt, viel zu laut nach halt gefragt.

Etwas in mir möchte lernen, möchte alten Müll entfernen,
möchte ausprobier’n, sich zeigen, im Sturm des Tages stehen bleiben,
möchte wissen wer ich bin, doch es schwankt, ich falle hin.

Stecke fest und komm nicht weiter, bin ganz bravourös gescheitert,
hab’s nicht richtig angegangen, hab mich irgendwo verfangen,
hab’s verkackt, versaut, verrissen, hab es wieder mal verschissen.

Ach ich hab es falsch gemacht und hab dabei ganz leis’ gedacht,
der Mensch er ist nur so komplex, weil er an seinen Fehlern wächst,
Entwicklung funktioniert seit jeher, durch Versuche und durch Fehler…

Ich mache Fehler und das weiß ich,
ich mache Fehler und das soll auch geschehen.
Denn der einizge Fehler, den ich zu vermeiden such,
ist der Versuch keine Fehler zu begehen.

‘Nen Job gesucht, Gespräch geführt, falsch gebucht, sich blöd gefühlt,
‘nen Kurs gegeben, leere Stühle, Zeit verschätzt, vergeb’ne Mühe,
viel zu wenig Mut gehabt, viel zu viel an mich gedacht.

Etwas in mir will es richtig, etwas findet Schönheit wichtig,
etwas möchte Geld verdienen, möchte große Pläne schmieden,
möchte wissen was ich kann und damit dann Miete zahl’n!

Es gibt so viele um mich rum, die was ich mach viel besser tun,
– Dota, Robert, Judith, Gispert, Sarah, Bodo, Simon, Pispers –
Gott, wie ich deren Kunst verehre und von ihrem Können zehre.

Und ich steh am Mikrofon und treff’ nur jeden zweiten Ton,
aber eines kann ich gut, steh vor dir und zieh meinen Hut,
von Fehlern die mir unterlaufen, kann ich mir ein Update kaufen…

Ich mache Fehler und das weiß ich,
ich mache Fehler und das soll auch geschehen.
Denn der einizge Fehler, den ich zu vermeiden such,
ist der Versuch keine Fehler zu begehen.

Zwei plus Zwei ergibt nicht Drei, Beirut liegt nicht in der Türkei,
zwischen H und D liegt C und Liebe schreibt man mit i-e,
Fehler werden sanktioniert, bis man nichts mehr ausprobiert.

Wer hat uns nur beigebracht, dass wer gut ist keine Fehler macht,
Leute lasst uns desertieren, lasst uns exmatrikulieren,
Fehler nicht mehr korrigieren, sondern sie neu definieren:

Lasst Kinder in ‘ne Schule geh’n, in der Fehler für Wissen stehn,
in der bei jedem falschen Weg, am Ende nur ein Danke steht,
in der man, ob man mutig ist, an gemachten Fehlern misst.

Fehler komplettier’n ein Bild, Fehler sind ein Hinweisschild,
jedes wo, wer, wie, warum, braucht ein Ausschlusskriterium,
ein Fehler machen heißt darum, dass es sich nicht immer reimen muss…

Ich mache Fehler und das weiß ich,
ich mache Fehler und das soll auch geschehen.
Denn der einizge Fehler, den ich zu vermeiden such,
ist der Versuch keine Fehler zu begehen.

Frau die lieben lernt

Du hast nicht um mich geworben,
doch hast dich zu mir gelegt,
meine Schatten gut verborgen,
hast du spielend freigelegt.

Und ich gab dir meine Lieder,
meine Worte, meine Zeit,
und so sahen wir sie wieder
uns’re Heimatlosigkeit.

Ich zieh weiter nun wie immer,
sattel wieder mal mein Pferd.
Hinterlass ein Feld von Trümmern,
weil ich doch erst lieben lern.

Sie zieht weiter nun wie immer,
sattelt wieder mal ihr Pferd.
Hinterlässt ein Feld von Trümmern,
weil sie doch erst lieben lernt.

Und du suchtest sich’re Wände,
ich hab dir mein Haus geschenkt.
Doch dies Haus, ich sah’s am Ende,
hatte selbst kein Fundament.

Und als du sagtest: “Ich bleibe”,
hab ich dich aus mir verbannt.
Ich sah meine Angst in deiner
und so bin ich fortgerannt.

Ich zieh weiter nun wie immer,
sattel wieder mal mein Pferd.
Hinterlass ein Feld von Trümmern,
weil ich doch erst lieben lern.

Sie zieht weiter nun wie immer,
sattelt wieder mal ihr Pferd.
Hinterlässt ein Feld von Trümmern,
weil sie doch erst lieben lernt.

*Solo*

Und so trifft immer aufs neue,
grad als wär es so gedacht,
der, der eine Heimat sucht auf
die, die Angst vorm Bleiben hat.

Ich zieh weiter nun wie immer,
sattel wieder mal mein Pferd,
hinterlass ein Feld von Trümmern
weil ich doch erst lieben lern.

Gott, Körper

Guten Tag, du scheinbar Fremder in mir drin, hör mal hin,
hier spricht der aus dem du machst was ich bin.
Ich geh mit dir überall dort hin wo ich soll, ich bin toll,
ich bin groß, bin ein Gott, bin famos,
hab die macht über alles was du mit mir machst,
ich hab dich in der Hand.
Ich veränder’ dich und lenke, ich zerdenke und ich bremse dich,
ist geschenkt alles das, und so schlender ich durch dich durch
und durch alles was du bist.
Du glaubst du bist nicht ich?
Mach dich nicht lächerlich!
Ich kann alles machen, was du mit mir machen willst,
ich bin der, der das alles lenkt,
ohne mich existierst du nicht, bist du nicht,
genau wie ich, wenn du nicht in mir bist.

Ich bin dein Körper, bin dein Server, bin der Kreateur und der Zerstörer,
ich bin der, ohne den du nichts kannst.
Doch ein Lidschlag reicht und schon geht wieder Licht an.
Ein Impuls reicht aus und du stehst, drehst dich um und gehst,
nur ein Zucken reicht und sie seh’n: Du lebst.

Ich bin die abertausend Wellen, die Dekaden von Millarden kleiner Zellen,
die sich teilen, sich verstellen, die verweilen und ausquellen,
die sich heilen, sich befruchten, die sich teilen, sich benutzen,
sich verteilen und die reisen, sich vermehren und maskieren,
die dich lehren zu tarieren, die verbrennen, die erfrieren,
sich erhalten, demaskieren, die pulsieren jede hundertstel Sekunde
durch die Pumpe, die faustrund mitten in dir wohnt, in dir pumpt, in dir ruht,
und mit deinem Blut Luft, Wasser, Gifte, Gase, Metastasen, Räume, Blasen,
Fette, chemische Gemische in Bewegung hält, dich am Leben hält,
die nichts sagt, die nichts fragt,
nur mit 60 Beats per minute deine Existenz bejaht.

Ich bin dein Körper, bin dein Server, bin der Kreateur und der Zerstörer,
ich bin der, ohne den du nichts kannst.
Doch ein Lidschlag reicht und schon geht wieder Licht an.
Ein Impuls reicht aus und du stehst, drehst dich um und gehst,
nur ein Zucken reicht und sie seh’n: Du lebst.

Deine Zunge, deine Hände, in der Lage zu beenden,
zu beginnen, zu entrinnen und zu sprechen,
deine Hände können sich rächen, können brechen,
können hunger still’n.
Wenn du willst, kann dein Rumpf sich strecken, dich verstecken,
sich verkriechen, deine Nase riechen, deine Ohren hören.
Du kannst stören, kannst betören, atmen, schreien und kannst schwören,
du kannst schweigen, du kannst bleiben, du kannst siegen.
Deine Augen können lieben und sie können von Leben reden
und zum Glück können sie weinen und vergeben.
Und dein Mund, er kann lachen und kann all die Sachen sagen,
die seit Tagen deine Muskeln kontrahieren und dich isolieren.

Ich bin dein körper, bin dein Server, bin der Kreatuer der kreiert,
was du fokussierst.
In den Mustern, die du denkst, funktioniere ich.
Solange ich dir fremd bin, sabotier’ ich dich.
Wenn du an Kontrolle hängst, kontrollier ich dich,
und wenn du kämpfst ohne dein Herz, dann verliere ich.
Ich tu alles was du denkst, ich geh dahin wohin du mich lenkst,
wohin du mich haben willst.
Ich bin dein Tempel, deine Skills,
kann dich verändern wenn du willst.
Du bist der Gott, der mich bewohnt,
du bist groß, bist famos,
hast die Macht über alles, was du machen willst,
über alles, was du schaffen oder loslassen willst.

Wenn du nur Erkennen und wenn du Verstehen willst,
daß schon im Mutterleib das Grundprinzip zu lesen ist,
daß nämlich ich aus dir und du aus mir genesen bist,
und darum ich und du ein und dasselbe Wesen ist.

Komm schon und lass mal

Wir suhlen uns im Konjunktiv und reden, reden, reden,
seh’n uns nie wirklich an, aber steh’n uns im Wege.
Ach, schöne Frau, ich würd’ so gern mal mit dir reden
und danach Tanzen geh’n und unser Reden leben.

Komm schon und lass mal, lass diesen Scheiß mal sein.
Lass tanzen, lass weinen, lassschweigen oder schrei’n.
Lass lernen, lass warten, lass lieben und verzeih’n.
Lass Luft in deine Lungen, und lass was sein will sein.

Wir wünschen uns, dass andere uns wirklich sehen,
doch woll’n uns nie zu weit aus dem Fenster lehnen.
Komm, schöne Frau, ich will dir heut was von mir zeigen,
bei dir gelingt mir viel, leicht auch bei mir zu bleiben.

Komm schon und lass mal, lass diesen Scheiß mal sein.
Lass tanzen, lass weinen, lassschweigen oder schrei’n.
Lass lernen, lass warten, lass lieben und verzeih’n.
Lass Luft in deine Lungen, und lass was sein will sein.

Wenn wir uns zuhör’n, denken wir, das was wir hören,
hätte nur mit uns zu tun, oder nichts mit uns zu tun.
Ach, schöne Frau, wirklich will ich dich gerne sehen,
denn aus deiner Sicht, kann ich mich gut versteh’n.

Komm schon und lass mal, lass diesen Scheiß mal sein.
Lass tanzen, lass weinen, lassschweigen oder schrei’n.
Lass lernen, lass warten, lass lieben und verzeih’n.
Lass Luft in deine Lungen, und lass was sein will sein.

Krieger

Wieder mal begegnet ihr ein Krieger,
ein Träumer, ein Zigeuner, ein Poet.
Das kleine Schlupfloch seines Jagdtriebs findet sie sofort,
weil ihren ungrigen Augen nichts entgeht.

Sein Herz das ist ummantelt, mit schwerem, kühlem Stoff,
in den Hüllen sie sich will, und kühlen darin.
Und ohne es zu merken, krallt sie sich an ihm fest
und aus der Frau wird ein hungriges Kind.

Mit der Sehnsucht im Pfeil schießt sie auf ein Herz
und wiedermal sieht sie es nicht,
dass der Pfeil von früher noch vergiftet und
das Herz auf das sie zielt ihr eignes ist.

Der Krieger ist verwirrt, erschaudert und erschrickt,
die Szenerie unangenehm bekannt.
Statt einer Königin hält plötzlich eine Bettlerin ihn fest
und bitt’res Mitleid hat alle Liebeslust verbannt.

Sie merkt nun wie er sich entfernt, verständnisvoll und kalt,
nachts hört man, wie sie weint und flucht.
In dem Meer ihrer Tränen spiegelt sie sich und erkennt,
dass sie immer noch im Mann die Mutter sucht.

Mit der Sehnsucht im Pfeil schießt sie auf ein Herz
und kaum reagiert ein Mann und sagt ja,
wird ihr schwarz vor Augen und sie sieht, dass der Pfeil
vergiftet und das Herz ihr eignes war.

Mit der Sehnsucht im Pfeil schießt sie auf ein Herz
und kaum reagiert ein Mann und sagt ja,
wird ihr schwarz vor Augen und sie sieht, dass der Pfeil
vergiftet und das Herz ihr eignes war.

Nach Hause

Mutter, du hast uns aus dem Nest geworfen,
gabst uns Mut und ne Handvoll Glück dazu.
Hast alle Deiner Kinder in der Welt verteilt,
die Zeit sie braucht Euch sagtest Du.

So kämpf’ ich hier und liebe, wie all’ meine Geschwister
und keine Angst, so leicht zerbrech’ ich nicht.
Nur an manchen Tagen zwischen Chipkarten und Lügen
oh Mama, da packt das Heimweh mich.

Dann will ich nach Hause, will nach Hause, will nach Hause,
wo auch immer das ist.

Die Welt braucht uns’re Liebe, ich sehe es ja selbst,
braucht Schutz, braucht Brücken und Gefühl.
Doch Schutz heißt bei uns Stacheldraht und Brücken heißen Schleusen
und wenn wir fühlen, dann mit Sicherheitsventil.

So halt’ ich hier die Stellung zwischen all dem Stacheldraht,
sähe Samen in die Welt für uns’ren Traum.
Nur Mama, jede Kriegerin braucht auch mal eine Pause
und jedes Herz braucht seinen sich’ren Raum.

Dann will ich nach Hause, dann will ich nach Haus.
Dann will ich nach Hause, dann will ich nach Haus.
Dann will ich nach Hause, wo auch immer das ist.

Dann will ich nach Hause, dann will ich nach Haus.
Dann will ich nach Hause, dann will ich nach Haus.
Dann will ich nach Hause, wo auch immer das ist.

Nie gesagt

Ich hab dir nie gesagt, was ich an dir nich’ mag,
ich hab’s dir nie gesagt, weil ich dich so gerne mag,
ich hab’s dir nie gesagt und hab’ es runter geschluckt,
und wenn du nich’ geguckt hast, habe ich es ausgespuckt.
En fader Nachgeschmack ist dennoch immer geblieben,
der hat mein Herz vergiftet und meine Liebe vertrieben.

Ach, und wieder mal hat mich die Angst dich zu verlieren
dazu gebracht, dich zu verlieren.
Und, wenn ich das eine jetzt ganz sicher weiß,
es bahnt sich all das seinen Weg, was du verschweigst.

Ich hab dir nie gesagt, was ich an dir vermiss’,
ich habs dir nie gesagt, wollt’ dich ja lassen wie du bist,
ich habs dir nie gesagt, und behielt es für mich,
es wird vorbei geh’n dacht ich doch es sammelte sich.
Und all das Ungesagte machte dich zum Fremden dann,
und was ich vermeiden wollte, hat mein Schweigen dann getan.

Ach, und wieder mal hat mich die Angst dich zu verlieren
dazu gebracht, dich zu verlieren.
Und, wenn ich das eine jetzt ganz sicher weiß,
es bahnt sich all das seinen Weg, was du verschweigst.

Ich hab dir nie gesagt, was mir an dir nicht gefällt,
ich habs dir nie gesagt, weil ich dich nicht verlieren wollt’.
Ach hätt’ ich’s mal getan, wie jedes kind es tut,
vielleicht wär’st du dann noch da und es wär’ alles noch gut.
Doch, Liebster, ich hab es dir nie gesagt,
jetzt bist du fort und ich seh nur noch was ich an dir mag…

Ach, und wieder mal hat mich die Angst dich zu verlieren
dazu gebracht, dich zu verlieren.
Und, wenn ich das eine jetzt ganz sicher weiß,
es bahnt sich all das seinen Weg, was du verschweigst.

Tanzen sie tagsüber

Sie sind auch der Meinung dass der Kapitalismus so wie er ist, nicht das ideale Gesellschaftskonzept ist?
Sie haben aber bislang auch noch keine vernünftige Idee, wie man den Kapitalismus mal eben so smashen könnte?
Sie hätten aber gleichwohl auch nichts dagegen den Kapitalismus hier und da ein wenig ins Wanken zu bringen?

Dann haben wir für sie ein paar Dinge die sie sofort und ohne großen Aufwand tun können, die nicht illegal sind und die dem Kapitalismus schaden.

Tanzen sie tagsüber
Nutzen sie Festnetztelefon
Reparieren sie wieder Dinge
Ziehen sie den Dialog der Polizei vor
Propagieren sie Frieden
Kaufen sie soviel wie möglich lokal hergestellte Produkte
Seien sie hin und wieder nicht erreichbar
Kommunizieren sie viel und liebevoll auch mit Kindern die sie nicht kennen
Heben sie hin und wieder Müll auf, den sie nicht verursacht haben
Seien sie ehrlich zu sich und anderen
Teilen sie Ressourcen, auch wichtige
Und wenn es schwer fällt, dann lernen sie dabei wieder klar und gewinnbringend zu kommunizieren
Behalten sie ein Handy länger als zwei Jahre
Nutzen sie überhaupt Dinge die länger als zwei Jahre halten
Kaufen sie oft im Einzelhandel
Verabschieden sie sich von dem Gedanken, wer Recht hat, habe irgendeinen entscheidenden Vorteil
Spielen sie wieder Theater, zur Not auch vor dem Spiegel
Schreiben sie Briefe mit der Hand
Kaufen sie maximal einmal in der Woche Fleisch und wenn sie es tun dann wissen sie diese Nahrung zu schätzen
Spielen sie
Unternehmen sie Versuche
Säkularisieren sie ihr eigenes Denken
Das Konzept von Schuld kreiert nur Opfer und Täter
Hören sie auf Geld zu hassen
Und hören sie auf dem Geld soviel Bedeutung zu geben
Geld ist ein Tauschmittel
Wenn sie viel davon haben, nehmen sie es zur Hand, tauschen sie es gegen Gutes, Sinnvolles und Schönes
Wenn sie wenig davon habe, hören sie auf neidisch auf die zu sein, die mehr davon haben
Kreieren sie andere Tauschmittel
Schenken sie
Fragen sie nach Bedürfnissen
Äußern sie Wünsche
Ziehen sie ihre eigenen Grenzen und vergessen sie nicht, Türen einzubauen
Gruppieren sie nicht nach Alter, Geschlecht, Personlausweis oder Fähigkeiten, sondern bilden sie Systeme in denen von allen etwas dabei ist
Machen sie Freude an der Arbeit wieder zur Bedingung und sehen sie sie als effizienzsteigernden Faktor
Versuchen sie nicht mit Menschen zusammenzuarbeiten, die das, was sie tun nicht auch selbst vertreten und dann Sätze sagen wie “Mir sind da leider die Hände gebunden.”
Und seien sie selbst auch kein solcher Mensch
Eliminieren sie den Glaubenssatz, Lernen sei ein notwendiges Übel
Wenn noch nicht geschehen, dann wechseln sie ihr  Bankkonto, hin zu einer ethisch vertretbaren Bank
Fahren sie wieder mehr Zug und Fahrrad
Überhaupt, seien sie gut zu ihrer Umwelt
Seien sie gut auch zu anderen
und seien sie gut zu sich selbst

Und: Tanzen sie tagsüber!

Was ist dir heilig

Über dem Ozean, nur ‘nen Raketenwurf von hier,
streiten debile alte Männer, voller hirnloser Gier.
Und dieser Schwanzvergleich wird zu ‘nem ganz realen Krieg
und wir sehen traurig zu und sagen das ist Politik.
Und bei uns ist es nicht besser, wenn auch der Krieg nicht so real,
doch welche Opfer unser Luxus fordert, ist auch uns egal.
Wir fressen täglich diesen Fraß: Arbeit, Wachstum, Konjunktur
und der Tellerrand ist nur die nächste Legislatur.

Was ist dir heilg? Was geht dich an?
Was sind die Sachen, die ein Mensch in deiner Gegenwart nie ungehindert tun kann?
Wo hört deine Duldsamkeit auf?
Was nimmst du ganz egal was es dich kosten würde einfach nicht in Kauf?

Junge Pflanzen stecken wir in einen steinernen Topf,
daraus wachsen Menschen ohne Herz mit steinernem Kopf.
Wir haben weder Zeit noch Geld für Potentiale und Gefühl,
aber für Hausaufgaben, Noten und für herzloses Kalkül.
Uns’re Vorstellung von Bildung kommt noch aus dem Kaiserreich
und sie hält halt immer stand in jedem Preisvergleich.
Dass es längst and’re Wege gibt, wird müde lächelnd ignoriert,
das war schon immer so, klappt eh nicht und es wird auch nicht probiert.

Was ist dir heilg? Was geht dich an?
Was sind die Sachen, die ein Mensch in deiner Gegenwart nie ungehindert tun kann?
Wo hört deine Duldsamkeit auf?
Was nimmst du ganz egal was es dich kosten würde einfach nicht in kauf?

Nimm nicht mehr hin, was dir missfällt!
Das Recht auf Leben schließt auch ein, dass das Leben dir gefällt!

Und wo uns’re Kinder dann erblüh’n zu Männern oder Frau’n,
hat der Kaiser nachts mit seinem Beil die Wurzeln abgehaun.
Reih dich ein in eine Rolle und sei möglichst nicht zu spät
und sprich heimlich oder gar nicht über Sexualität.
Heimlich lernen wir von Pornos dann nur diese eine Version:
Erst die Titten, dann das Rammeln dann die Ejakulation.
Und so haben wir, weil das zum Kinderkriegen ja genügt,
die Schuld der Lust gegeben und den Frauen Wunden zugefügt.

Was ist dir heilg? Was geht dich an?
Was sind die Sachen, die ein Mensch in deiner Gegenwart nie ungehindert tun kann?
Wo hört deine Duldsamkeit auf?
Was nimmst du ganz egal was es dich kosten würde einfach nicht in kauf?

Nimm nicht mehr hin, was dir missfällt!
Das Recht auf Leben schließt auch ein, dass das Leben dir gefällt!

Sieh nicht länger zu, bleib nicht mehr still!
Das Recht auf Leben schließt auch ein, dass das Leben eines ist, was man auch führen will!

Und so steuern wir perplex unser Fahrzeug Richtung Wand,
halten uns fest am Gaspedal, am Ruder in der Hand.
Also, lass mal los den ganzen Scheiß und sag mir wie’s Dir geht,
was in dem Drehbuch das du schreibst in Zukunft noch geschrieben steht?
Ich will Liebe und ich glaube dran, verdammt nochmal,
Ich will Freiheit, ich will Schönheit und ich will es radikal.
Radikal heißt bis zur Wurzel, doch die sehe ich hier kaum,
darum lass uns Wälder pflanzen und zwar Baum für Baum.

Was ist dir heilg? Was geht dich an?
Was sind die Sachen, die ein Mensch in deiner Gegenwart nie ungehindert tun kann?
Wo hört deine Duldsamkeit auf?
Was nimmst du ganz egal was es dich kosten würde einfach nicht in Kauf?

Sieh nicht länger zu, bleib nicht mehr still!
Das Recht auf Leben schließt auch ein, dass das Leben eines ist – was man auch leben will!

Der Tellerrand beginnt
bei meinem Herz.
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